Rolex Trophy: Pedro Oriol siegt im Stechen

image description
Der Spanier Pedro Oriol holte sich den ersten Titel auf der Challenge Tour im Stechen gegen Adrien Saddier. Joel Girrbach war mit dem Heimspiel in Genf „nicht zufrieden.“

Drei Tage lang sah der Spanier Borja Virto bei der 38. Rolex Trophy im Golfclub Genf wie der sichere Sieger aus. Er hatte mit zwei 66-er Runden die Führung übernommen, diese mit der 68 zunächst souverän verteidigt, doch im Final passte für Virto fast nichts mehr zusammen. Schon auf den Frontnine schoss er sich mit fünf über Par aus dem Titelrennen, nach der 79-er Karte musste er sich gar mit dem 17. Schlussrang begnügen.
Dafür nutzte sein Landsmann Pedro Oriol seine Chance im exklusiven Feld der besten 42 Challenge Tour Spieler. Mit der 65 im Final spielte sich der Spanier auf total 17 unter Par.
Er war damit Leader im Clubhaus und musste warten, was der führende Franzose Adrien Saddier auf den Schlusslöchern produzierte. Prompt verpasste Saddier auf dem 18. Green den Par-Putt zum Sieg. Damit gingen die beiden ins erste Stechen der Saison auf der Challenge Tour.
Hier machte der 25-jährige Franzose, der üblicherweise auf der European Tour spielt, den nächsten Fehler. Saddier setzte seinen Abschlag auf Loch 16 ins Wasser, so reichte Oriol auf dem kurzen Par 4 ein Par für seinen ersten Sieg auf der Challenge Tour. Für den 31-jährigen Spanier war es zudem der erste Vollerfolg als Profi überhaupt. Er sei erst vor wenigen Tagen im Haus von Seve Balesteros gewesen, weil er mit dessen Sohn Javier gut befreundet sei, erzählte Oriol von der „aussergewöhnlichen Inspiration“. Javier schenkte ihm unter anderem einen Hut aus Seve’s Sammlung. „Normalerweise wechsle ich den Hut jeden Tag. Diesen habe ich in Genf die ganze Woche getragen. Er hat mit dem ersten Sieg in acht Jahren als Profi gebracht, das ist schon sehr speziell für mich“, freute er sich direkt nach dem Erfolg in der Verlängerung.
Für den ersten Rang gibt es beim Traditionsturnier in der Westschweiz 30 000 Euro Preisgeld plus eine Rolex-Uhr. Saddier erhält als Zweitklassierter 8 000 Euro weniger. Dank der besten Turnierrunde, die 63 oder neun unter Par am zweiten Tag, darf er nun aber ebenfalls eine neue Uhr des Sponsors nach Hause tragen. Klar präsentierte er seinen speziellen Preis auch stolz auf seiner Facebook-Seite.
 
Joel Girrbach: Alles offen
Mit der 68-er Karte zum Schluss zeigte der einzige Schweizer im Feld noch sein bestes Tagesresultat. Trotzdem war Joel Girrbach nach dem Turnier mit sich selber nicht zufrieden:
„Es war eine enttäuschende Woche für mich. Leider konnte ich zu viele Chancen aus 3 bis 4 Metern nicht nutzen und spielte die Par 5 Löcher einfach zu schlecht.“ So blieb ihm am beim zweiten Challenge Tour Turnier in der Schweiz bloss der 33. Rang. In der aktuellen Jahreswertung belegt er den 24. Platz, die besten 15 können Ende Jahr auf die European Tour aufsteigen.
Auf einen Top 15-Rang fehlen Girrbach nach 14 gespielten Turnieren bloss 5 000 Euro Preisgeld. Der Thurgauer rechnet aber anders: „Erfahrungsgemäss braucht es bis Ende Saison etwa 90 000 Euro, die ganz wichtigen Turniere kommen erst noch und so ist derzeit alles offen“, formuliert es Girrbach. Am meisten Preisgeld zahlen die Challenge Tour Events in Kasachstan und China, beim Final im Oman werden auch noch 400 000 Euro verteilt.
Klar brauche es noch mindestens einen Top-Platz in den verbleibenden sieben Events, sagt der 24-jährige Profi. Deshalb verzichtete er auch auf einen Start beim Omega European Masters in Crans-Montana, spielt dafür am gleichen Wochenende auf der Challenge Tour in England. Nach der Rolex Trophy in Genf hat er erst etwa bei der Hälfte der anvisierten 90 000 Euro Prizemoney im Sack. „Abgerechnet wird nach dem letzten Putt im Final im Oman, bis dahin werde ich um mein Ziel kämpfen“, erzählt Girrbach vor der wichtigen Phase der Saison.
 
Ein Top-Anlass
Als Sieger der Swiss Challenge auf Golf Sempachersee seien die Erwartungen an sich selber natürlich gestiegen, ergänzt er. Es müsse an vier Tagen einfach alles stimmen, um ganz vorne mitzuspielen. „Das gelang mir an den letzten Events nicht mehr ganz wunschgemäss, aber es braucht nicht viel“, ist sich Girrbach nach der ersten Saison auf der Challenge Tour sicher.
An das intensive Leben von Turnier zu Turnier hat er sich ganz gut gewöhnt. Trotzdem ist der Auftritt für ihn in Genf speziell. „Das Feld ist sehr exklusiv, es wird jeden Tag mit anderen Partnern im ProAm gespielt und das ganze ‚drumherum’ ist viel exklusiver als bei den allermeisten Turnieren auf der Challenge Tour“, erläutert Girrbach, der zum zweiten Mal bei der Rolex Trophy dabei war. Vor einem Jahr war er als bester Schweizer eingeladen, diesmal hat er sich direkt über die Rangliste für den Top-Anlass qualifiziert.
In der Regel müssen sich die Spieler selber um günstige Unterkunft und Nachtessen kümmern. „In Genf werden die Profis ganz anders verköstigt, da gibt es jeden Abend ein Edelbuffet zu einem bestimmten Thema. Da ist es schlicht vom Feinsten“, vergleicht Girrbach das besondere Engagement des Hauptsponsors. Zudem treffe er in Genf immer wieder sehr interessante Leute auf dem Platz. So spielte der einzige Schweizer im Feld unter anderem mit dem Chef der European Tour, Keith Pelley oder dem zuständigen für die Players Relations. Leider habe man das Gespräch beim Abendessen diesmal nicht fortsetzen können. Die Rolex Trophy bleibe aber ein sehr spezielles Turnier im Kalender. „Beim ProAm kann man sich zudem nicht direkt mit anderen vergleichen, es dauert oft noch etwas länger und es ist nicht ganz einfach in einen Turniermodus zu finden“, erläutert der Pro zum speziellen Format, das über vier Runden durchgezogen wird.
Neu war dieses Jahr auch der Platz. Der Golfclub Genf hatte in zwei Phasen sämtliche Grüns, Fairways und Wasserhindernisse umgebaut. „Es ist unglaublich, wie sie den ganzen Platz, aber speziell die Greens so schnell nach dem Umbau hinbekommen haben“, wundert sich Girrbach. Mit diversen Änderungen sei der Parcours noch schöner, aber auch etwas schwieriger geworden. Im nächsten Jahr möchte er eigentlich eine Stufe höher auf der European Tour spielen, aber „auf die Rolex Trophy in Genf würde ich nur ungern verzichten.“