Mit Wohlfühlfaktor alles im Griff

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Den Griffen und Schäften wird oft nur eine untergeordnete Rolle im Golfspiel beigemessen. Dabei bilden die Gummistücke am Ende der Schäfte die wichtige Verbindung zwischen Schlägerkopf und Händen.

«Mit gut gepflegten Griffen können die Golferinnen und Golfer sogar einige Meter Länge gewinnen», versichert Marco Burger, Equipment-Experte bei HoleInOne Fitting. Seine Erklärung dazu. «Alte und rutschige Griffe erfordern einen grösseren Griffdruck und reduzieren das Freigeben der Handgelenke durch den Treffmoment.»
 
Ist der Griff einmal durchgespielt, kann der Schläger leicht in der Hand verdrehen, und es wird nahezu unmöglich, square an den Ball zu kommen. Ausserdem liegen neue oder frisch behandelte Griffe deutlich angenehmer in der Hand und bieten bei Regen bessere Griffigkeit. «In der Regel reicht es, nach jeder Runde die Griffe mit einem leicht feuchten Tuch abzuwischen, um den gröbsten Schmutz zu entfernen, und danach trockenzureiben», rät Burger. «Spätestens alle zwei Runden sollte dies geschehen.»
Caddies auf der Tour haben dafür immer ein feuchtes Handtuch dabei. 
 
Anfällig für Umwelteinflüsse
Da Griffe meist aus Gummi bestehen, sind sie besonders anfällig für Umwelteinflüsse wie extreme Temperaturen sowie Nässe und UV-Strahlen. Deshalb die Empfehlung des Experten, einmal im Jahr oder wenn die letzte Pflege schon eine Weile zurückliegt den Griffen mit einem kurzen Bad mit Fettlöser, gefolgt von schnellem, gutem Abrubbeln und eventuellem, leichtem Anschmirgeln, ein zweites Leben zu verschaffen, die Griffigkeit zu verbessern und die Haltbarkeit zu verlängern. Sollten Sie auf Ihren Griffen bereits einige stark abgenutzte Stellen finden – der Bereich des rechten Daumens (bei Rechtshändern) ist besonders anfällig –, sollten Sie in Erwägung ziehen, Ihre Griffe zu erneuern. Profis wechseln ihre Griffe etwa viermal im Jahr. Bei einem Amateur reicht diese Prozedur dagegen jedes zweite Jahr. Dies ist natürlich abhängig davon, wie viel Sie spielen. Griffhersteller empfehlen einen Wechsel nach 40 Runden.
 
Zwei Typen von Griffen
Grundsätzlich unterscheidet man die beiden Griff-Typen Gummi und Cord mit der Unterteilung in härter, weicher, klebrig oder rau. Dabei gibt es verschiedene Strukturen: Ein «Wrap»-Griff ähnelt durch seine Wicklungen dem Tennis-Griffband, die meisten Gummigriffe haben wiederum Vertiefungen (Rillen, Rechtecke, Dreiecke) für den besseren Halt.
 
Bei sogenannten Cord-Griffen ist die Basis aus Gummi in den unterschiedlichsten Anordnungen von Fasern durchzogen. Griffe, die noch einen reinen Gummianteil haben, nennen sich Half-Cord-Griffe; wenn der Griff komplett von Fasern überzogen ist, ist es ein Full-Cord-Griff. Dabei hat das Material wenig mit dem Schlagergebnis zu tun, der Wohlfühlfaktor steht im Vordergrund. Der Halt sollte stimmen und die Griffgrösse passen. Stimmt diese nicht, greift man zu fest oder zu locker und die Kontrolle über den Ball geht verloren. Der Tipp vom Profi: Lassen Sie Hand und Finger ausmessen, um die exakte Griffgrösse zu ermitteln. Zudem hat nicht jeder Schaft und jeder Griff den gleichen Durchmesser. Eventuell benötigen Sie zusätzliche Tapes unter dem Griff. Und halten Sie den Griff an den Schaft, um die finale Optik zu überprüfen. Gefällt einem die Kombination aus Griff, Schaft und Schlägerkopf, zieht man den Schläger gerne aus dem Bag. Das ist eine Grundvoraussetzung, um mit Selbstvertrauen am Ball zu stehen.
 
Schäfte aus Meisterhand 
Eine hochkomplexe Technologie steckt in den Schäften, und fast alle mit Rang und Namen werden in Japan produziert. Sie ist auch einer der wichtigsten Gründe, warum gute Schläger ihren Preis haben. Oder andersherum gesagt: Wo es vielleicht noch halbwegs leicht ist, einen günstigen Schlägerkopf mit ordentlicher Leistung zu bieten, gibt es kaum richtig gute Schäfte zu kleinem Preis, und die Spreu trennt sich vom Weizen in entscheidenden Performance-Unterschieden. 
Viele geraten beim Thema Schäfte ins Schwärmen von den Sterne-Versionen aus der Edelschmiede Honma. «Um einen Honma-Schläger herzustellen, braucht es bis zu hundert Mitarbeiter», wirbt die Traditionsmarke aus Sakata, eine Flugstunde von Tokio entfernt. Und «besonders aufwendig ist die Herstellung der Schäfte», versichert Gunnar von Hansen, Vertriebsleiter bei Honma Golf Europe in Zug. Die einzelnen Karbonschichten werden von Spezialisten einzeln auf einem Metallstab aufgewickelt und dazwischen jeweils manuell mit einem heissen Eisen geglättet. «So erhalten wir die höchste Qualität, deutlich besser als bei maschinell gefertigten Produkten auf dem Markt», erläutert von Hansen. Ergo erklären beste Materialien und feinste Handarbeit den hohen Preis. Bei der Top-Marke Beres können Kunden zwischen zwei und fünf Sternen wählen. Je nach Ausführung kostet der Driver zwischen 1079 und 5000 Euro. Klar würde «das Luxusprodukt» zudem individuell angefertigt und personalisiert.
 
Von Fischerruten inspiriert
Eine andere Erfolgsgeschichte schreibt die Marke ONOFF, deren Schafttechnologie von sehr viel Know-how und Erfahrungswerten der DAIWA-Fischerruten profitiert. Seit über sechs Jahrzehnten zählt die Marke als führend in der Fischerei: Die Bedingungen, unter denen die Karbonfaser-Ruten bestehen müssen, gelten als um einiges harscher als beim Golfsport. Dabei benutzen die Japaner eigens designte Kohlenstoffblätter, und sie übertragen diese Hightech schon seit 18 Jahren auf superleichte, starke Schäfte von Golfschlägern der Marke ONOFF.
 
«Der Clou bei Golfschäften sind Ringe und Schichten ohne Unterbrechungen», so die Entwickler. «Dicht gewebter Kohlenstoff wird mit solcher Präzision gerollt, dass der Schaft vom Kolben bis zum Zylinder gleichmäßig ist, wodurch eine effiziente Energiezufuhr und -freisetzung erreicht wird.» Die Produktpalette besteht aus den drei verschiedenen Serien Aka (japanisch für Rot), Kuro (Schwarz) und Lady, wobei für jedes Schlägermodell ein optimal abgestimmter Schaft entwickelt wurde. 
 
 

Sind Sie ein Cord- oder Gummi-Typ?
Halb- oder Voll-Cord-Griffe sind empfehlenswert, wenn Sie eh immer einen Handschuh verwenden und nicht anfällig gegen Blasen an den Fingern sind. Sie sind gut für Spieler, die an den Handinnenseiten schnell schwitzen, deren Hände rutschen, sobald es feucht wird, die nichts von Regenhandschuhen halten und die ihre Griffe tendenziell öfters wechseln lassen.
Gummigriffe sind etwas für Spielertypen, die auch gerne mal ohne Handschuh schwingen möchten, schon auch mal mit Blasen zu kämpfen haben, bei Nässe eh zum speziellen Regenhandschuh greifen, ihre Griffe nicht so oft wechseln möchten,und ein klebrigeres und weicheres Gefühl beim Griff bevorzugen.