Neue Regeln: Einfacher und schneller

Ab 2019 gelten weltweit die neuen Golfregeln. Sie sollen das Spiel vor allem schneller und einfacher machen. Hier die wichtigsten Änderungen für Sie im Überblick.

Die Golfregeln wurden bisher in einem Zyklus von vier Jahren überarbeitet und angepasst. Die jüngsten Anpassungen durch die Verantwortlichen des R&A und der USGA gelten als die grösste Regelrevision seit über 30 Jahren. Das Ziel: Das Spiel soll schneller und die Regeln einfacher und verständlicher für alle werden.
Dabei steht der vielleicht wichtigste Grundsatz nicht einmal in den Regelbüchern: «Das Prinzip "Ready Golf" ist eine Empfehlung, die von den Clubs und Verbänden umgesetzt werden soll», erklärt Daniel Waldmeier, Mitglied im ASG Rules Committee. Wer zum Schlag bereit ist, spielt. Das wird heute schon in vielen Privatrunden praktiziert. Ab dem nächsten Jahr soll das Prinzip auch bei den offiziellen Turnieren gelten. Gespielt wird dann nicht mehr zwingend nach der «Ehre» oder der Distanz zum Loch, sondern es schlägt derjenige Spieler zuerst, der bereit ist und spielen kann, ohne andere Golfer zu gefährden. Das werde das Spiel sicher schon mal deutlich beschleunigen, wie seine private Erfahrung gezeigt habe, gibt sich Waldmeier überzeugt.
Wird die von den Regelgremien vorgesehene Zeit von 40 Sekunden für einen Schlag (darin enthalten sind auch Distanzmessung, Schlägerwahl und Probeschwünge!) eingehalten, wird dies das Spiel nochmals beschleunigen. «Die European Tour hat in Österreich einen Versuch mit der 40-Sekunden-Regel gemacht; die Spielzeiten sind damit deutlich kürzer geworden», erläutert Waldmeier ein aktuelles Beispiel.
Die neuen Regeln gelten weiterhin gleichsam für Profis und Amateure, allerdings könnten die Auswirkungen allenfalls unterschiedlich sein. So sind beispielsweise Distanzmessgeräte bei den meisten Amateur-Turnieren, aber etwa auch auf der Senioren-Tour der Pros, bereits regelmässig im Einsatz. Die Spieler der PGA und der European Tour durften die Hilfsmittel bislang nur in den Probe- und ProAm-Runden benutzen. Mit den neuen Regeln gilt der Grundsatz: Distanzmessgeräte sind erlaubt, sofern deren Verwendung nicht durch eine Platzregel ausdrücklich verboten wird. Es dürfen aber bloss Distanzen gemessen werden, weiterhin untersagt sind Angaben zu Wind, Neigung etc.
 
Neue Möglichkeiten für Clubs
Von den neuen Regeln sind nicht nur die Spielerinnen und Spieler betroffen, auch die Clubs sollen mithelfen, die Runden schneller über den Rasen zu bringen. Deshalb wurde der neue Begriff «Penalty Area» geschaffen. Diese umfassen die heutigen Wasserhindernisse, sind aber nicht auf Flächen begrenzt, welche Wasser enthalten können müssen. Die Clubs können beliebige Flächen als «Penalty Area» bezeichnen. Dort gelten dann annähernd die gleichen Regeln zur Erleichterung wie heute bei Wasserhindernissen.
Heisst dies, dass nun alle «Out of Bounds»-Pfosten in der Schweiz verschwinden, wie da und dort vermutet wird? Dies sei theoretisch zwar möglich, aber nicht erwünscht, weil nicht im Sinn der Autoren und weil die Charakteristik eines zu spielenden Lochs oder gar des Golfplatzes fundamental verändert würde, formuliert es Regelexperte Waldmeier. «Niemand will, dass die Spieler den Ball vom Acker eines Bauern oder vom Grundstück eines anderen Nachbarn weiter- schlagen.»
Neu können die Clubs beliebige Flächen als sogenannte «No Play Zones» bezeichnen. Das könnten beispielsweise ein schönes Blumenbeet oder bestehende Biotope sein, illustriert Waldmeier. Die Erleichterungsvarianten für die Spieler, wenn ihr Ball in einer «No Play Zone» liegt, sind gleich wie bei den heute schon existierenden Biotopen und Naturschutzgebieten, welche allerdings durch eine Behörde zu solchen erklärt werden mussten.
Bei sehr vielen Clubs werde sich an den Platzmarkierungen wenig bis gar nichts ändern, glaubt Waldmeier, zudem bleiben auch die Platzregeln weiterhin bestehen. «Man kann schlicht nicht alles in die allgemeingültigen Regeln reinpacken», weiss der Schiedsrichter.
Das Spiel werde nicht neu erfunden. «Der Alltagsgolfer, der sich schon bisher an die Regeln hielt, muss sich eigentlich nur zwei Sachen merken: Der Ball wird neu auf Kniehöhe gedroppt, und der Ball muss beim Droppen innerhalb der sogenannten "Relief Area" liegen bleiben», fasst er zusammen. Allerdings helfe es, die verschiedenen neuen Möglichkeiten zu kennen, welche die Regeln in schwierigen Situationen bieten. Für Anfänger könnte es beispielsweise interessant sein, den Ball im Bunker für unspielbar zu erklären und ihn neu auch hinter dem Bunker droppen zu dürfen. «Dafür gibt es zwar zwei Strafschläge, aber der Spieler hat dank den neuen Regeln eine Option mehr.»
 
Die Übersicht
Hier die wichtigsten Anpassungen unter dem Motto «einfacher und schneller».
 
Einfacher
 
Sandberührung im Bunker (Regel 12)
Es ist zwar nach wie vor nicht gestattet, vor einem Schlag aus dem Bunker dessen Beschaffenheit zu prüfen und den Schläger vor oder hinter dem Ball aufzusetzen. Auch das Verbessern der Spiellinie (z.B. durch Einebnen von Fussabdrücken) und Probeschwünge mit Sandberührung führen nach wie vor zu Strafschlägen.
Allerdings wird die beiläufige Berührung des Sandes nicht mehr bestraft. So dürfen Sie sich beispielsweise auf den Schläger abstützen, während Sie im Bunker warten müssen, und nach einem verpatzen Bunkerschlag (der den Ball nicht aus dem Bunker bringt) den Schläger aus Frust in den Sand schlagen, ohne sich dabei strafbar zu machen.
 
Lose Naturstoffe in Bunker (Regel 12) und Penalty Areas (Regel 15)
Die Herausforderung des Balls im Bunker besteht darin, den Ball aus dem Sand zu schlagen, und nicht, dies aus einem mit Blättern und Tannzapfen übersäten Bunker zu tun. Deshalb dürfen Sie neu Blätter, Zweige, Steine, Äste und andere lose Naturstoffe in Bunkern und Penalty Areas straflos entfernen. Der Ball darf sich dabei allerdings nicht bewegen.
 
Unspielbarer Ball im Bunker (Regel 19)
Bisher gab es nur eine Möglichkeit, den Ball, der (unspielbar) im Bunker liegt, mit einem Strafschlag von ausserhalb weiterzuspielen: Der Spieler musste zurück zum Ort des letzten Schlags.
Neben den beiden – ebenfalls mit einem Strafschlag verbundenen – Möglichkeiten, innerhalb des Bunkers weiterspielen zu können, bieten die neuen Regeln nun auch eine vierte Spielmöglichkeit an: Der Ball darf auf der rückwärtigen Verlängerung der Linie vom Loch durch die Lage des unspielbar erklärten Balls ausserhalb des Bunkers gedroppt werden. Dies kostet Sie allerdings einen zusätzlichen Strafschlag.
 
Boden- und Wasserberührung in Penalty Areas (Regel 17)
Im Gegensatz zum heutigen Wasserhindernis dürfen Sie den Schläger am Boden oder im Wasser aufsetzen, wenn Sie den Ball aus einer Penalty Area spielen müssen.
 
Ball beim Suchen bewegt (Regel 7)
Wenn Sie, Ihr Partner oder Ihr Caddie Ihren Ball beim Suchen unabsichtlich bewegen, fällt mit den neuen Regeln kein Strafschlag mehr an. Der Ball muss aber weiterhin zurückgelegt (und im Bunker die Lage wiederhergestellt) werden.
 
Eingebetteter Ball (Regel 16)
Die in vielen Clubs und den allermeisten Turnieren bereits angewendete Platzregel, einen in einer nicht kurz gemähten Fläche (also abseits des Fairways) eingebetteten Ball straflos aufnehmen, reinigen und droppen zu dürfen, wurde jetzt in die Regeln integriert.
Die Ausnahme, dass ein in einem Bunker, in einer Penalty Area oder in Sand im Gelände eingebetteter Ball gespielt werden muss, wie er liegt, bleiben bestehen.
Übrigens: Sollte ein Ball nach einem Droppvorgang (erneut) eingebettet sein, muss der Ball neu gespielt werden, wie er liegt.
 
Ball trifft Spieler oder dessen Ausrüstung (Regel 11) & "Doppelschlag" (Regel 10)
Trifft der Ball nach dem Schlag versehentlich den Spieler oder dessen Ausrüstung, wird in Zukunft kein Strafschlag mehr fällig. Dasselbe gilt, wenn Sie mit Ihrem Schlag den Ball mehr als einmal berühren.
 
 
Schneller
 
Suchzeit & provisorischer Ball (Regel 18)
Die Zeit, die einem Spieler zur Verfügung gestellt wird, um seinen Ball zu suchen und zu identifizieren, wurde von fünf auf drei Minuten verkürzt. Spielen Sie sofort einen provisorischen Ball, obwohl Sie neu auch zurückgehen dürfen, um einen provisorischen Ball zu spielen, auch wenn sie schon mit der Suche nach dem Ball begonnen haben.
 
Ball identifizieren (Regel 7)
Neu dürfen Sie einen Ball identifizieren, ohne dass Sie dafür Ihren Marker oder eine andere Person, welche das Identifizieren überwachen soll, informieren müssen.
Nach wie vor muss aber der Ball markiert werden, bevor Sie ihn berühren! Der Ball darf weiterhin nur soweit wie zur Identifikation nötig gereinigt werden und muss, falls er aufgehoben wird, zurückgelegt werden.
 
Hilfe beim Einnehmen des Standes zum Schlag (Regel 10)
Das korrekte Ausrichten zum Schlag ist ein wichtiger Aspekt des Golfspiels und Teil der notwendigen Fähigkeiten eines Spielers. Sie dürfen daher beim Einnehmen des Standes keine Hilfe mehr in Form eines Schlägers oder anderen Objekts, den oder das Sie auf den Boden legen oder stellen, oder Ihres Caddies in Anspruch nehmen.
 
Treffen des Flaggenstocks & Ball zwischen Flaggenstock und Lochrand eingeklemmt (Regel 13)
Um das Spiel zu beschleunigen, ist es nicht mehr vorgeschrieben, den Flaggenstock aus dem Loch zu entfernen. Trifft der Ball den Flaggenstock, der im Loch steckt, ist dies auch bei einem Schlag auf dem Grün straflos.
Der Flaggenstock darf aber auch weiterhin nicht als Ballstopper hinter das Loch gelegt werden!
Ist Ihr Ball im Loch zwischen Flaggenstock und Lochrand eingeklemmt, gilt er neu bereits dann als eingelocht, wenn sich bloss ein Teil des Balls unterhalb der Lochkante befindet. Der Flaggenstock muss also nicht mehr zwingend entfernt werden, damit der Ball ins Loch fällt und als eingelocht gilt.
 
Distanzmessgeräte (Regel 4)
Generell dürfen Sie Distanzmessgeräte verwenden, es sei denn, eine Platzregel verbietet deren Gebrauch. Es gilt aber nach wie vor: Der Gebrauch von Geräten, welche andere, dem Schlag dienliche Messungen vornehmen, ist verboten, es sei denn, diese Funktionen sind beim Distanzmessvorgang ausgeschaltet.
 
 
Übrige Regeln
 
Schlägerlänge (Erklärung)
Zum Abmessen einer oder zweier Schlägerlängen müssen Sie den längsten Schläger, den Sie im Bag dabei haben, verwenden. Es dürfen allerdings keine Putter verwendet werden!
 
Droppen (Regel 14)
Die für jeden Spieler wohl am häufigsten anzutreffende Änderung der Golfregeln betrifft das Droppen des Balls. Neu muss der Ball aus Kniehöhe gedroppt werden. Mit Kniehöhe ist die Höhe des Knies des Spielers in aufrechter Position des Unterschenkels gemeint.
Die Droppvorgänge wurden vereinheitlicht: Jeder Ball muss in einer sogenannten "Relief Area" gedroppt werden (siehe Box). Der Ball muss nun – eben aus Kniehöhe – in diese Relief Area gedroppt werden (der Spieler darf dabei ausserhalb der Relief Area stehen) und muss in dieser liegen bleiben. Rollt der Ball aus der Relief Area hinaus (egal, wie weit), muss er erneut in der Relief Area gedroppt werden. Rollt er erneut zu weit, muss er am Ort, wo er beim zweiten Droppversuch zuerst auf den Boden trifft, hingelegt werden.
 
Spezielle Regeln auf dem Grün (Regel 13)
Neben Einschlaglöchern von Bällen und Unebenheiten durch alte Lochpfropfen dürfen Sie nun praktisch alle Beschädigungen (also auch solche durch Spikes, nicht aber solche, welche durch die Natur entstanden sind oder Aerifizierungslöcher), ausbessern. Sie dürfen dazu aber nur gebräuchliche Werkzeuge verwenden!
 
Bewegen Sie Ihren Ball auf dem Grün versehentlich (z.B. weil Ihnen der Putter aus der Hand fällt oder weil Sie einen Probeschwung zu nahe am Ball machen), ist dies straflos, sofern der Ball zurückgelegt wird.
 
Wenn Sie Ihren Ball auf dem Grün markieren, aufnehmen und zurücklegen und er sich danach bewegt (auch wenn von selbst oder durch Wind), muss er zurückgelegt werden.
Box1
Die wichtigsten neue Begriffe
 
Gelände (General Area)
Bezeichnet alle Gebiete auf dem Golfplatz mit Ausnahme des Abschlags (Teeing Area) und des Grüns des zu spielenden Lochs sowie alle Penalty Areas und Bunker.
 
No Play Zone (Spielverbotszone)
Penalty Areas oder ungewöhnliche Platzverhältnisse, von welchen das Spielen des Balls durch die Spielleitung verboten wurde.
 
Penalty Area
Beinhaltet die heutigen Wasserhindernisse sowie neu jegliche von der Spielleitung entsprechend markierte Fläche auf dem Golfplatz.
Es gibt rote und gelbe Penalty Areas (unterschiedliche Erleichterungsmöglichkeiten).
 
Relief Area (Erleichterungsbereich)
Fläche, in welcher der Spieler einen Ball bei Anwendung einer Regel droppen muss. Sie ist definiert durch einen Referenzpunkt (z.B. nächster Punkt der Erleichterung, hinter dem Einschlagloch des eingebetteten Balls, Eintrittspunkt in die Penalty Area, etc.) und – je nach Regel, welche zur Anwendung kommt – durch eine oder zwei Schlägerlängen um diesen Referenzpunkt herum, jedoch nicht näher zum Loch.
 
Spiellinie (Line of Play)
Beinhaltet neu auch die Puttlinie.
 
Tierloch (Animal Hole)
Jedes Loch im Boden, welches durch irgendein Tier (ausser Würmer und Insekten oder insektenähnliche Tiere) gegraben wurde, jedoch nicht ein einzelner Fuss- oder Hufabdruck.