Golfverband: Neue Basis, neuer Name

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An der ersten gemeinsamen Pressekonferenz von ASG, ASGI und Migros präsentierten die Verantwortlichen die Basis für die neue Zusammenarbeit mit den Public-Golf-Organisationen. Parallel dazu will der Schweizerische Golfverband seinen Namen ändern.

Im März wählten die Delegierten des Schweizerischen Golfverbandes einen fast vollständig neuen Vorstand mit Reto Bieler als Präsidenten. Er formulierte seine fünf wichtigsten Ziele: 
 
1.     Wir brauchen einen Kulturwandel, im Verhalten und im Auftritt. Der «Spirit of the Game» leitet uns dabei. 
 
2.     Wir müssen Strukturen, Prozesse, Rollen und Aufgaben klären. 
 
3.     Wir sind ein Sportverband und greifen nicht ins Marktgeschehen ein. Wir subventionieren niemanden, wir geben keine eigene Karte heraus. 
 
4.     Wir müssen die Machtverhältnisse den Marktanteilen anpassen. 
 
5.     Wir brauchen eine ASG-Konkordanz. Die beiden Public-Organisationen sollen im Vorstand mit je einem Sitz vertreten sein.
               
«Der Golfmarkt hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren komplett verändert. Wir leben in einer Sharing-Wirtschaft, und der Anteil der Public-Golfer ist von 0 auf fast 40 Prozent angestiegen», begründet er die nötigen Anpassungen. 
 
 
Gemeinsamer Vorschlag
«Dank den intensiven, aber äusserst fair geführten Diskussionen innerhalb der breit abgestützten Arbeitsgruppe können wir nun bereits einen sehr konkreten Vorschlag für die künftige Partnerschaft mit den Public-Golf-Organisationen vorlegen», sagte Reto Bieler als Präsident des Dachverbandes. 
Statt wie bisher in zwei separaten Verträgen mit der ASGI und der Migros soll das Verhältnis in den Statuten geregelt werden. «Die Delegiertenversammlung im nächsten März wird über den gemeinsam erarbeiteten Lösungsvorschlag entscheiden. Wir hoffen stark, dass wir die nötige Mehrheit von zwei Dritteln der Clubs hinter uns haben», sagte Bieler vor den Medien. 
 

 
Das sind die wichtigsten Eckpunkte des gemeinsam erarbeiteten Vorschlags: 
·      Die Delegiertenversammlung des Schweizerischen Golfverbandes, als oberstes Organ, soll die Lösung in den Statuten absegnen. Bisher waren die Vereinbarungen vertraglich geregelt.
 
·      In den Statuten der ASG soll eine neue Mitgliederkategorie «Public-Organisationen» (kurz PO’s) eingeführt werden. Die ASGI und die Golfcard Migros waren bisher Mitglieder der Kategorie «Angeschlossene Vereinigungen». 
 
·      Die PO’s bezahlen einen Jahresbeitrag von neu 50 000 Franken statt wie bisher 300 Franken.
 
·      Jedes Aktivmitglied eines Clubs oder einer PO entrichtet einen identischen ASG-Beitrag. Dieser wird von der Delegiertenversammlung festgelegt, bisher war dieser für die PO’s vertraglich im gleichen Sinn geregelt.
 
·      Pro Aktivmitglied entrichtet jede PO zusätzlich einen jährlichen «Golfsport-Förderungsbeitrag» von 90 Franken, bisher vertraglich auf 65 Franken festgelegt. Davon entfallen 60 Franken auf die Förderung der Clubs. Diese Aktionen werden direkt zwischen den PO’s und den Clubs vereinbart. Es werden eine Jahresplanung und ein Reporting erstellt. Die verbleibenden 30 Franken pro Mitglied werden zur gemeinsamen Sportförderung von ASG, ASGI und Migros eingesetzt. Die ASG beteiligt sich ihrerseits mit 15 Franken pro PO-Aktivmitglied.
 
·      Die PO’s erhalten an der Delegiertenversammlung pro 1000 Mitglieder 3 Stimmen, im Maximum wären es 70 Stimmen.  Aktuell hiesse das: Die ASGI hat 51 und die Migros 54 von total 815 Stimmen. Bisher galt je 1 Stimme pro PO von insgesamt 712 Stimmen.
 
·      Der Vorstand beantragt, je einen Vertreter der ASGI und der Migros in den Vorstand zu wählen, bisher waren beide Organisationen im Gremium nicht vertreten. 
 
·      Die PO’s verzichten auf die Herausgabe einer eigenen Handicap-Karte. Die Migros prüft, die bestehende Karte bereits Ende 2018 vom Markt zu nehmen, wird dies aber sicher spätestens auf Ende 2019 tun. 
                               
Für Hans-Peter Schild, Leiter der ASG GolfCard Migros, ist dieser Vorschlag «ein guter und vor allem tragfähiger Kompromiss». Die Verankerung in den Statuten sei der richtige Weg, eine gewisse Mitsprache im Vorstand sei wichtig für eine Organisation, die «mehr neue Golfspieler ausbildet als alle Clubs zusammen», wie es Schild formuliert. «So ist die Migros auch bereit, mehr für die Sportförderung zu zahlen, dank der neuen Vereinbarung werden zudem auch die Clubs direkt von unserem Engagement profitieren», sagt Schild.
                 
Ähnlich formuliert es ASGI-Generalsekretär Pascal Germanier: «Von der Einigung profitieren alle. Um Golf in der Schweiz weiterzuentwickeln, braucht es alle, auch Leute, die nicht in einem traditionellen Club aufgewachsen sind.» Mit dem Einbezug der ASGI in die Kommission der Mitglieder sei ein wichtiger Schritt gemacht worden. Nun hoffe er mit der Statuten-Änderung auf eine noch bessere Akzeptanz der clubfreien Golfer.
  
Swiss Golf statt ASG
Die Delegierten des Schweizerischen Golfverbandes entscheiden am 16. März 2019 über die vom Vorstand vorgeschlagenen Anpassungen. Gleichzeitig möchte das Führungsgremium auch den offiziellen Namen, das Logo und den gesamten Auftritt anpassen. Seit vielen Jahren lautet die offizielle Bezeichnung «Association Suisse de Golf», kurz ASG. Der Name ist für Reto Bieler «sperrig», das Logo mit den goldenen Schlägern «mehr als nur überholt». 
«Wir wollen den Aufbruch auch gegen aussen zeigen und uns umbenennen. Der Vorstand hat sich einstimmig für ‘Swiss Golf’ entschieden. Dies auch in Anlehnung an praktisch alle grossen Sportverbände, die Mitglied bei Swiss Olympic sind», erläutert der Präsident. 
 
Die ersten Vorschläge für den neuen Auftritt sind derzeit beim Vorstand. «Bei einem Ja der Delegierten werden wir aus Kostengründen nicht alles auf einen Schlag anpassen, sondern stufenweise vorgehen», erklärt Bieler. «Aber Swiss Golf zeigt klar, wofür wir stehen. Wir sind der Dachverband des ganzen Schweizer Golfs.»
 
 
20 Jahre Public Golf 
Am 6. Mai 1998 wurde der Schweizer Verband der unabhängigen Golfer (ASGI) offiziell gegründet, erster Präsident war ASG-Vorstandsmitglied Yves Hofstetter, und die ASG hatte bei der Gründung die Mehrheit im Komitee der ASGI. Initiant Pascal Germanier bezog sein erstes Büro und beschäftigte eine Teilzeitsekretärin. «Damals sah die Golfszene in der Schweiz ziemlich anders aus als heute», erinnert sich Germanier. «Viele Clubs hatten lange Wartelisten. Die Leute gingen deshalb über die Grenze und schlossen sich den nahen gelegenen Clubs an. Es wimmelte damals von Handicap-Karten ausländischer Clubs und Organisationen. Die Karte der Fédération Française de Golf (FFG) für 42 Euro war am beliebtesten, und sie öffnete die Türen fast aller ASG-Clubs.» 
 
Damals war der ASGI-Generalsekretär in einem Practice und Pitch&Putt in La Sarraz im Norden Lausannes tätig. Er sah das Potenzial einer Schweizer Handicap-Karte und überzeugte den Dachverband von dieser Idee. «Es ist klar, dass niemand bei der ASG mit dem grossen Potenzial der unabhängigen Golfer gerechnet hatte. Man ging davon aus, dass diese Spieler künftig einige Hundert ausmachen würden», ergänzt er. Am Ende des ersten Jahres waren genau 116 Mitglieder bei der ASGI eingeschrieben. Doch dann ging es schnell und steil nach oben. 
«Zugegebenermassen waren auch wir überrascht, wie gross das Bedürfnis für die unabhängigen Golfer war», blickt Germanier auf die Anfänge des Public Golf in der Schweiz zurück.
 
Drei Jahre zuvor war die Migros mit ihrem ersten Golfpark in Holzhäusern in den Markt eingestiegen. Ihr Motto: «Golf für alle». Die Migros baute danach bis 2007 sechs weitere Anlagen, immer mit einem «konventionellen» ASG-Golfclub im Spielrecht. Vor genau zehn Jahren lancierte der Grossverteiler zusätzlich zu den Clubs noch die ASG GolfCard Migros. Hier ist die Nachfrage noch schneller gewachsen, so dass die Migros im vergangenen Jahr erstmals mehr Mitglieder auswies als die ASGI.