4. GOLFSUISSE Forum in Bern: Die Highlights

image description
Auch die vierte Ausgabe des GOLFSUISSE Forums brachte spannende Impulse und Einblicke. Hier einige ausgewählte Highlights der zweitägigen Veranstaltung im Berner Kursaal, etwa das Referat von Ex-Schiri Urs Meier (Bild).

Das diesjährige Forum begann furios: Der ehemalige Weltklasse-Schiedsrichter Urs Meier sprach zu den „Entscheidungen unter Druck“, die er als Fussball-Schiri während seiner langen Karriere fällen musste. Bei 883 Spielen und zirka 250 bis 300 Entscheidungen pro Match kommt da einiges zusammen. Kein Wunder, machte Meier soviel Tempo, dass die professionellen Übersetzer kaum mehr nachkamen...
“Wenn man als Schiri zwei Sekunden zögert, gilt man als unsicher. Nur wer schneller pfeift als das Publikum, gilt als guter Schiedsrichter“, formulierte er unter anderem. Zwar habe man als Golfplatz-Betreiber deutlich mehr Zeit für seine Wahl, aber auch hier gelte: „Auch kein Entscheid ist ein Entscheid.“ Im Geschäft wie auf dem Platz müsse man ein Spiel „leiten“. „Pfeifen kann jeder, aber nicht jeder ist ein Leader, der auch einmal unangenehme Entscheide durchsetzen kann.“
 
Massenmails und Morddrohungen
Meier erzählte unter anderem, wie er nach einem vermeintlichen Fehlentscheid an der EM 2004 in Portugal von Fans und einigen englischen Journalisten behandelt worden war. Beim Match England gegen Portugal hatte Meier den Engländern (richtigerweise) ein Tor aberkannt, sie schieden aus. Er geriet massiv unter Druck und war tagelang auf den Titelseiten der Murdoch-Zeitung «The Sun». Britische Journalisten reisten ihm bis in die Schweiz nach, um sein Privatleben zu durchleuchten.
“Sie wollten eine 60 auf 90 Meter grosse Fahne auf das Dach meines Geschäftshauses legen. Im Zweiten Weltkrieg war das eine Methode, damit die Bomber ihre Ziele fanden. Man hat auch mein Wohnhaus und mein Auto fotografiert”, erzählt Meier. Schon direkt am Morgen nach dem Match hatte er 16 000 Hassmails. “Hätten wir mein Mail-Konto nicht vom Netz genommen, wären es weit über eine halbe Million geworden. Ich bekam massenhaft Morddrohungen.” Die Gemeindepräsidentin habe sofort reagiert und zwei bewaffnete Sicherheitsleute aufgeboten, die das Privathaus, das Geschäft und die Mitarbeiter rund um die Uhr bewachten und beschützten.
 
Einfachere Regeln, schnelleres Spiel
Deutlich weniger gefährlich leben die Golf-Schiedsrichter. „Sie haben zum Glück auch mehr Zeit für ihre Entscheide“, führt Daniel Waldmeier, Mitglied der ASG-Regelkommission aus. Mit den für 2019 geplanten Änderungen der Golfregeln sollte es zudem für Spieler und Schiedsrichter etwas einfacher und besser verständlich werden, versprach Waldmeier. „Es wird weniger Ausnahmen geben, das Ziel der Regeln wird jeweils erklärt und auch sprachlich wird es angepasst“, verspricht der ASG-Schiedsrichter. Die definitive Version wird im Laufe des Jahres erscheinen, bekannt sind aber die wichtigsten Eckpunkte:
. "Ready Golf" wird ein fester Bestandteil der Regeln, gespielt wird nicht mehr zwingend nach „Ehre“ oder wer weiter weg vom Loch ist, sondern es schlägt ab wer bereit ist und spielen kann, jedoch ohne andere Golfer zu gefährden.
. Die Suche nach einem Ball wird auf 3 Minuten begrenzt (statt wie bisher 5 Minuten).
. Die Spieler dürfen in Wasserhindernissen (zukünftig als „Penalty Areas“ bezeichnet) den Schläger aufsetzen.
. Distanzgeräte, welche nur die Distanz messen können, werden grundsätzlich erlaubt, weiter verboten sind Messungen von Wind, Neigung etc.
. Die Clubs können eine beliebige Fläche als „Penalty Area“ bezeichnen, das entspricht den heutigen Wasserhindernissen, die „Penalty Area“ muss aber kein Wasser beinhalten.
. Die Clubs können eine beliebige Fläche als „No Play Zone“ bezeichnen, das war bis heute nicht möglich.
 
Die Änderungen sollen laut Waldmeier nicht zuletzt ein zügigeres Spiel erlauben, gleichzeitig appelliere es an die Integrität und Ehrlichkeit der einzelnen Golferin und des einzelnen Golfers, führt er aus. Was nicht gehe, sei alles oder ein Teil der neuen Regeln schon früher anzuwenden. „Der Stichtag bleibt der 1. Januar 2019, vorerst gilt also keep calm and play golf.“
 
Mitgliederumfragen helfen
Die neuen Regeln gelten weltweit und praktisch weltweit stehen die Clubs vor der Herausforderung neue Mitglieder zu gewinnen und bestehende nicht zu verlieren. Laut internationalen Vergleichen verlässt im Schnitt jede oder jeder Achte im Verlauf eines Jahres seinen Golfclub, erläutert Jacob Buksted. Der Däne entwickelte zusammen mit dem nationalen Golfverband ein umfassendes Tool zur Befragung von Mitgliedern und Greenfee-Spielern. „Wir sind mittlerweile in 10 Ländern aktiv und haben bisher gut eine Million Antworten ausgewertet“, sagt der Mitbegründer der Firma „Players 1st“. Dabei zeigten sich interessante Details: „Bei einem langsamen Spiel gehen beispielsweise 10 Prozent der Golfer weniger ins Restaurant, wenn sie auf dem Platz einen gewissen Service erleben, der über die Greenfee-Kontrolle hinausgeht, steigen die Besucherzahlen im Restaurant um 10 Prozent“, führte er unter anderem aus. Bei einem Pilotprojekt haben sechs Schweizer Golfclubs ihre Mitglieder ausführlich um ein Feedback gebeten. „Der Rücklauf war mit 66 Prozent sensationell hoch und dank einem Benchmark können wir uns auch mit anderen Clubs vergleichen“, illustrierte Alex Leber, Manager im Golf&Country Club Goldenberg die Vorteile von „Players 1st“.
Ramun Ratti liess die Mitglieder im Engadine Golf Club ebenfalls umfassend befragen. „Es gab auch viele positive Feedbacks und Kommentare“, fasst der Manager die ersten Erfahrungen zusammen. Insgesamt stehen die Schweizer Clubs laut Buksted „international betrachtet, sehr gut da, punkto Kundenzufriedenheit.“ Entscheidend sei unter anderem die Integration von neuen Members: „Internationale Zahlen zeigen, innerhalb von zwei Jahren ist die Hälfte der Neu-Mitglieder schon wieder weg.“
 
Stahl wirbt für Sion 2026
Am zweiten Tag des Forums ging es unter anderem um das „Yield Management“. Das bedeutet, einfach gesagt, unterschiedliche Greenfee-Preise je nach Nachfrage und Auslastung, so wie man es vor allem von den Airlines kennt, oder um die „digitale Rasenpflege“ und andere Themen rund ums Greenkeeping.
Im Interview mit Moderator Peter Wick sprach Swiss-Olympic-Präsident Jürg Stahl unter anderem über Golf an Olympischen Spielen und das Grossprojekt Sion 2026. Klar hoffe er, dass bei den nächsten Spielen in Tokio auch ein Schweizer Golfer mitkämpfen kann. Für dieses Ziel unterstützt die Dachorganisation des Schweizer Sports unter anderem auch den Schweizerischen Golfverband.
Logischerweise nutzte Stahl die Gelegenheit, um für das Projekt von Winterspielen in der Schweiz zu werben. Er sei sicher, dass der Grosserfolg der Norweger in Pyeongchang direkt mit den Spielen in Lillehammer zu tun habe, sagte der Zürcher SVP-Nationalrat, der das Organisationskomitee der Walliser Olympiakandidatur Sion 2026 präsidiert.
Am 10. Juni stimmen die Walliserinnen und Walliser über die Kandidatur ab. Gleich nach dem Forum reiste Stahl von Bern ins Wallis und versuchte, seine Parteikollegen aus der Unterwalliser SVP für die Ja-Parole zu gewinnen. Das Resultat: 26 Nein zu 7 Ja. «Nach den Erfolgen der Schweizer in Korea war dieser Entscheid natürlich schon ernüchternd», sagte Stahl gegenüber dem Blick. 

Hier geht es zu den Präsentationen:
Pricing - Dr. Mark Friesen
Regeländerungen 2019 - Daniel Waldmeier
Imagekampagnen - Klaus Pfannkuch
Positionierung - Jean-Marc Wallach
Players 1st - Jacob Buksted
Nachhaltiges Greenkeeping - Dr. Gunther Hardt
Elite Sport CH - Stuart Morgan
Mitgliedergewinnung Vuissens - Eric Fleury
Digitalisierte Rasenpflege - Urs Galliker

Swiss Golf Forum Bern - Impressionen 2018