Ab 2020 wird das Handicap neu berechnet

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Die Golfregeln sind weltweit einheitlich, nun sollen ab 2020 auch die sechs gültigen Handicap-Systeme angepasst werden. Neu zählt der Durchschnitt der letzten Runden statt bloss das letzte Turnier fürs Handicap.

Seit langer Zeit gibt es weltweit einheitliche Regeln im Golf, andererseits gibt es immer noch sechs verschiedene Handicap-Systeme. Das World Handicap System (kurz WHS) soll die bestehenden Systeme vereinen und damit sicherstellen, dass alle Spielerinnen und Spieler ein einheitliches, weltweit gültiges Handicap haben. Gleichzeitig ist es wichtig, das neue System den verschiedenen Gewohnheiten und Erfahrungen der Golfspieler in aller Welt anzupassen.

Das sind die wichtigsten Neuerungen im World Handicap System
·      Der Berechnung des Handicaps liegen die zuletzt gespielten zwanzig handicapwirksamen Ergebnisse zugrunde. Aus diesen zwanzig Ergebnissen werden die besten acht Resultate gewählt. Der Durchschnitt davon ergibt das aktuelle Handicap. Es gibt keine zeitliche Beschränkung für die Ergebnisse, die in die Berechnung einfliessen.
·      Sowohl Wettspiele als auch Freizeitrunden können zur Berechnung des Handicaps dienen.
 
«Das ist für Europa ein klarer Systemwechsel, aber wir begrüssen diesen Schritt zu einer neuen Handicap-Berechnung», sagt Reto Bieler, im ASG-Vorstand zuständig für Regeln und Handicap. Bisher zählt in Europa und Grossbritannien bekanntlich das letzte Turnierergebnis. Wer sein Handicap unterspielt, erhält am gleichen Tag ein tieferes Handicap, und umgekehrt. Neu zählt wie erwähnt der Schnitt der besten acht Runden. «Das ergibt sicher ein realistischeres Bild für jeden einzelnen Spieler», erhofft sich Bieler.

Eher höhere Handicaps
Man könnte sagen, der Durchschnitt der acht besten Runden von zwanzig sei «gerechter», er wird laut Bieler aber «erfahrungsgemäss nicht tiefer». In den USA wird dieses System schon länger angewendet. Dort ist es auch absolut üblich, dass man sein Resultat jeder Privatrunde in den Computer eingibt und alle Scores für alle einsehbar sind.
«Mit den neuen Vorgaben der R&A und der USGA können die sogenannten Freizeitrunden ebenfalls für die Handicap-Berechnung beigezogen werden. Hier gibt es aber noch viele offene Fragen und einen gewissen Spielraum für die einzelnen Verbände», relativiert Bieler den zweiten grossen Systemwechsel.
«Die Extra-Day-Scores sind ja auch eine Form von Freizeitrunden, wir möchten diese weiterhin fördern», ergänzt Bieler. Grundsätzlich sei es wohl richtig, viele Resultate als Basis für ein Handicap zu haben, damit es realistischer werde.
 
Das bleibt wie bisher
·      Alle bisher gültigen Spielformen für handicapwirksame Turnier- oder Freizeitrunden bleiben bestehen.
·      Es ist wie bisher ein handicapwirksames Ergebnis notwendig, um das erste Handicap zu erhalten. Ein gültiges Handicap wird in jedem Fall auch dann berechnet, wenn für einen Spieler weniger als zwanzig handicapwirksame Ergebnisse zur Verfügung stehen.
·      Der Einfluss aussergewöhnlicher Platz- und Witterungsbedingungen auf die Ergebnisse wird berücksichtigt.
·      Handicaps werden rundenweise aktualisiert.
·      Das an einem Loch maximal zu erzielende Ergebnis für die Berechnung des Handicaps bleibt wie bisher das Netto-Doppelbogey (= null Stableford-Punkte).
·      Das maximale Handicap für Männer und Frauen bleibt 54.
·      Das Course Rating System der USGA wird auch weiterhin für die Bewertung der Golfplätze genutzt und ist Bestandteil des World Handicap System. Damit kann das Handicap zwischen verschiedenen Plätzen und verschiedenen Ländern noch einfacher als bisher übertragen werden.

Was bedeutet das WHS für Schweizer Golfer?
Für die Spielerinnen und Spieler gibt es in Bezug auf das Golfspiel keine Änderungen, es ändert sich lediglich die Formel für die Berechnung des „Exact Handicap“. Ausgehend vom Exact Handicap werden die Spieler wie bisher auf jedem Platz ein Playing Handicap erhalten.

Was sollten Golferinnen und Golfer in der Schweiz bis 2020 tun?
Es wird empfohlen, bis 2020 möglichst viele handicapwirksame Ergebnisse zu spielen, um die Berechnung des Handicaps auf Basis einer möglichst grossen Anzahl an Runden durchführen zu können. Das Wichtigste sind jedoch die Freude am Spiel und das gemeinsame Erlebnis mit Freunden und Bekannten, die den Golfsport so besonders machen.
 
Sechs Systeme
Aktuell existieren sechs verschiedene Handicap-Systeme. Die für die Golfregeln zuständigen Instanzen „The R&A“ und The United States Golf Association (USGA) haben nun das einheitliche System für alle vorgeschlagen. Es sind dies Golf Australia, The Council of National Golf Unions (CONGU) Great Britain and Ireland, The European Golf Association (EGA), The South African Golf Association (SAGA), The Argentine Golf Association (AAG) and The United States Golf Association (USGA).
In 15 Ländern wurde eine qualitative Meinungsumfrage durchgeführt, bei der 76 Prozent der 52 000 Befragten ihre Unterstützung für ein World Handicap System äusserten, 22 Prozent waren bereit, den Nutzen eines solchen Systems zu prüfen, und nur 2 Prozent sprachen sich dagegen aus.