ASG übernimmt alle „Clubfreien“

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Ab nächster Saison vertreibt der Schweizerische Golfverband (ASG) die Handicap-Karten für die ASGI-Spieler, ab 2019 auch für die Inhaber der ASG GolfCard Migros. Wichtig ist: für die Golferinnen und Golfer ändert sich dadurch kaum etwas, erklärt ASG-Präsident Jean-Marc Mommer (Bild) im Interview.

Was genau hat der ASG-Vorstand entschieden?
Jean-Marc Mommer: Diese Verträge mit ASGI und Migros waren nun 10 Jahre gültig. Nun wollen wir nach Ablauf Ende Jahr selber eine Sportlizenz herausgeben, statt diese Verantwortung der ASGI und der Migros zu überlassen. So werden wir ab 2018 die Handicaps der ASGI-Mitglieder zentral bei uns verwalten, der Verkauf der Karten läuft direkt zwischen unserem Büro und den Clubfreien-Golferinnen und Golfern. Das Gleiche passiert ein Jahr später mit den Inhabern der ASG GolfCard Migros.

Wie haben die Vertragspartner auf die neue Ausgangslage reagiert?
Sehr professionell.

Man könnte es als Kampfansage gegen die beiden Public-Golfer Organisationen sehen?
Das wollen wir nicht. Wir sind uns der grossen Leistungen von ASGI und Migros bei der Popularisierung bewusst, gleichzeitig müssen wir aber auch die Interessen der Clubs wahren. Sie sind die Basis unseres Sports und ohne Plätze kann gar niemand spielen. Die Clubfreien Golfer sind in den vergangenen Jahren rasant gewachsen, mittlerweile sind es 40 Prozent aller gut 90 000 Golferinnen und Golfer in der Schweiz. Da ist es irgendwie logisch, dass wir als Verband einen direkten Einfluss bekommen wollen. Wir erhoffen uns, dass die ASGI und die Migros ihre Turniere und Events weiterführt. Deshalb wollen wir die Verträge auf eine neue Basis stellen. Gleichzeitig bleibt es unser Ziel, dass mehr Clubfreie Golfer nach einiger Zeit fest bei einem Club landen und dort Mitglied werden.
Dann wird die neue ASG-Karte ab 2018 teurer?
Nein, ganz sicher nicht. Wir wollen möglichst viele Golferinnen und Golfer überzeugen, dies auch mit einem Preis von unter 300 Franken. Die Details liegen noch nicht vor, da sind wir noch in Diskussionen, natürlich auch mit unseren Clubs.
 
Was passiert mit den Einnahmen aus den Kartenverkäufen?
Schon jetzt bezahlten die Clubfreien den gleichen Beitrag von 85 Franken an den Verband wie alle anderen auch. Die zusätzlichen Einnahmen aus dem Kartenverkauf belaufen sich aktuell auf rund 7 Millionen Franken. Wir rechnen mit einem substanziellen Beitrag aus dem Verkauf, der direkt und transparent an alle Clubs zurückfliesst. Wie viel das sein wird, kann man derzeit nicht sagen. Die Clubs sollen direkt vom Erfolg der neuen Public ASG-Karte profitieren.

Was ändert sich für die bisherigen Public-Golfer?
Eigentlich nichts. Sie erhalten die Karte statt von der ASGI oder Migros GolfCard direkt von der ASG. Die ganze Bestellung der Karte lief ja schon bisher zentral über die ASG. Neu werden wir der direkte Ansprechpartner unserer Kunden sein. Ausser der Telefonnummer ändert sich also wenig. Wir werden die entsprechenden Mitglieder direkt informieren und freuen uns auch über den Kontakt. Wir benötigen dafür zusätzliches Personal in Epalinges, um ab 2018 bereit zu sein.

Bisher gab es zwischen Migros und ASGI eine Art Konkurrenz. Könnte man durch das neue Monopol ab 2019 nicht Golferinnen und Golfer verlieren?
Das glaube ich nicht. Wir wollen das Wachstum etwas bewusster steuern. Unser Ziel, mit der Kampagne Golf – it’s magic, 10 000 zusätzliche Golfer bis ins Jahr 2020 zu bekommen, bleibt. Wir wollen, dass Golf nach wie vor attraktiv ist, wir wollen aber auch mithelfen, dass die Plätze weiterhin bestehen und investieren können.

Es gab offenbar weitere Organisationen, die ebenfalls eine ASG-Card herausgeben wollten? Wie stark hat sie dies beim Entscheid beeinflusst?
Es gab mehr als eine entsprechende Anfrage. Aus wettbewerbsrechtlichen Gründen hätten wir diese wohl nicht ablehnen können. Indem wir den Verkauf der Karten in die eigenen Hände nehmen, sind auch diese Diskussionen erledigt. Mit zusätzlichen Anbietern wären die Clubs noch mehr unter Druck gekommen, das wollten wir verhindern.